Respekt für 40 Jahre erfüllten Dienst

Im Laufe ihres über 40-jährigen Schullebens hat Renate Böhrer, Rektorin der Gemeinschaftsschule Weikersheim, schon so einiges erlebt.

 

Aber durch Rosenbogen und Schülerspalier vom Rektorat bis auf den Schulhof und dort auf ein Podest "genötigt" wurde, war eine ganz besondere Erfahrung.

 

Kunterbunt wie jüngst das Musical gestaltete die Schule das Fest für die Schulleiterin, die sich jetzt erst einmal ins Sabbatjahr verabschiedet. Die offizielle Entlassungsurkunde aus dem Schuldienst kann sie erst im Herbst 2017 entgegennehmen.

 

Schon beim ersten Blick am Freitag früh ins dekorierte Schulhaus war der Schulleiterin klar, dass sich eine Menge Menschen eine Menge Arbeit gemacht hat. Pünktlich standen die Schüler Spalier vom Rektorat bis in den Hof, singend und mit Tüchern winkend. Dann durch den Rosenbogen - Renate Böhrer hatte den eingeführt als Tor bei der Einschulung und als Tor ins weitere Schulleben nach Abschluss der vierten Klasse - rauf aufs Podest: Neuland für die Schulchefin.

 

Weiteres Novum: Sie durfte einen dicken Strauß bunter Luftballons einsammeln: Die Klassensprecher überreichten die Ballons als Dank für viele schöne Einschulungsfeiern, toll gestaltete Gottesdienste, unzählige Diktat- und Aufsatzkorrekturen, fürs offene Ohr für Schülersorgen, viele Telefonate mit Eltern, Elternabende Zeugnisse, Entlassfeiern. Und auch die Referendare und Kollegen schlossen sich an bei der Ballon-Vergabe: Ein bunter Luftballon als Dankeschön für Unterstützung und Begleitung der Junglehrer, als Rundumdankeschön für alles, was den Schulalltag ausgemacht hat. Dann durften sie fliegen, die luftig gestalteten Danksagungen, unter gewaltigem dreifachem "Raketen"-Radau von Schülerschaft und Lehrerteam.

 

Hier wie beim offiziellen Teil der Abschiedsfeier führte Konrektorin Gudrun Wolf die Regie: Am 3. Dezember 1999 hatte sie die neue Schulleiterin mit lyrischen Zeilen begrüßt: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Vieles, etwa Projekte wie die Lesepaten, das Comeniusprojekt, die Kernzeitbetreuung, den Aufbau der Gemeinschaftsschule, den Ganztagsbetrieb in der Grundschule und die Planung des Neubaus habe sie auf den Weg gebracht, erinnerte die Konrektorin. Mit großer Gesprächsbereitschaft und positiver Ausstrahlung habe die Rektorin Perspektiven eröffnet und motiviert, lobte sie.

 

Die Leitende Schulamtsdirektorin Ursula Jordan blickte kurz auf die Böhrersche Schul- und Dienstvita zurück: Auf die eigenen Schulbesuche in Vorbachzimmern, Niederstetten und Bad Mergentheim folgte das Studium in Schwäbisch Gmünd, dann an der Hauptschule Bad Mergentheim 1976 der Einstieg in den Schuldienst.

 

1979 wechselte Renate Böhrer an die Kopernikus-Realschule, einige Jahre später an die Grundschule Bad Mergentheim, ehe 1997 sie als Schulleiterin an die An der Christian-Morgenstern-Schule in Tauberbischofsheim wechselte. Dass sie schon zwei Jahre später die Chance nutzte, als Rektorin nach Weikersheim zu wechseln, bedauerte seiner Kinder wegen seinerzeit Klaus Kornberger, der sie sehr erfreut später als Bürgermeister in Weikersheim wieder traf.

 

Die ideenreiche Rektorin war auch als Ausbilderin tätig und fiel dem Schulamt durch unter anderem durch konsequenten Gestaltungs- und Weiterentwicklungswillen sowie durch engagiertes Vernetzungsbestreben auf.

 

Als "Motor mit Beharrungsvermögen", verlässlich, kompetent und stets im Sinn der Schüler handeln hat auch Kornberger die Schulleiterin erlebt.

 

Im vertrauensvollen Miteinander habe sie die Schule auch im interkommunalen Kontext positioniert und in konstruktiven Gesprächen auch schwierige Zeiten - Kornberger erinnerte an die Schließung der kleinen Laudenbacher Grundschule - bewältigt.

 

Den größten Applaus für ihre Grußworte erhielten der Elternbeiratsvorsitzende Andreas Fischer-Klärle und Schülersprecher Paul Rülicke, die das Stichwort Gemeinschaftsschule wörtlich nahmen und ihre gemeinsame Rede Wort für Wort abwechselnd vortrugen. Köstlich der Einstieg: "Liebe Böhrer, geehrter Bürgermeister, liebe in Schule..." und "Frau sehr Herr Kornberger Festgäste einer wie..." - "Da stimmt was nicht", grübelte erst der Schülersprecher, dann der Elternbeiratsvorsitzende. "Ah - gemeinsam geht's besser!"

Und dann flutschte es auch nur so: Dass man hoffe, baldmöglichst einen für die großen Fußstapfen geeigneten Nachfolger zu haben - und dass die jetzt Scheidende eine wunderbare Zeit und die Freiheit ohne Schulferienkalender genießen möge.

 

Ein Abschied ohne Sang und Klang war es natürlich auch beim offiziellen Farewell nicht: Einfach herrlich, mit welchem Elan der Grundschulchor unter der Leitung von Susanne Kirchhof nochmals das Kunterbunt-Muxical aufgriff. Schlicht zauberhaft, wie die Tanz-AG unter der Leitung von Raz Baziany in ihre zwischen Tanztheater, modern interpretierter orientalischer Tanztradition, Aerobic, Rock 'n'Roll changierende Choreografie die Glückwünsche einfließen ließ. Und das Kollegium rappte dann auch noch - Soli: Raz Baziany und Fabian Schneider - mit reichlich Schulkürzeln und klarer Ansage: "Wir liegen dir zu Füßen, denn du hast es drauf! Doch bevor du gehst, knall'n die Korken raus!" Was sie dann auch taten, nach einem von Anastasia Müller, Saxofonspielerin aus der neunten Klasse, gemeinsam mit Regine Burdinski am Klavier perfekt gestalteten Schlussakkord.

 

Und Renate Böhrer? Schlicht "überwältigt von so viel Lob und Anerkennung." Das "Disziplin, Disziplin, Disziplin", das der Idealistin zu Beginn ihrer Laufbahn immer wieder entgegenschallte, wich bald der Freude über die ersten Briefchen der Schreiblehrlinge der ersten Klasse: Texte wie "Ich happ dich lipp!" oder "Ich hasse Ferien - aber was sein muss, muss sein!" hat sie nie vergessen. Und der gesamten Schulfamilie - Schülern, Eltern, Kollegen, sonstigem Personal - hatte sie dnn nur noch eines zu sagen: "Danke! Danke! Danke!"               

 

(Quelle: Fränkische Nachrichten)